Margaret River, Perth und das Ende meiner Reise

Bevor Melissa und Paul weitergezogen sind, um die Reise zu beginnen, die ich bereits hinter mir habe, verbrachten wir unsere Zeit in Margaret River, die leider sehr regnerisch wurde. Pauls Geburtstag nutzen wir um mal wieder ganz zivilisiert Essen zu gehen. Ab und zu sich nicht wie ein Backpacker, sondern wie ein Urlauber zu fühlen hat was. Was auch sehr cool war, war ein Besuch in einem riesengroßen Labyrinth. Wir schlugen alle verschiedene Wege ein, trafen uns in Sackgassen und rannten wie bekloppte wieder in verschiedene Richtungen voreinander weg. So richtig Adrenalin wird freigesetzt wenn dir plötzlich soeine Melissa folgt, ich ganz siegessicher vorne weg laufe, plötzlich merke der Weg geht nicht weiter und sobald man sich umdreht dann wieder nur zweite ist. Wir rannten also alle schnaufend wie verreckende Pferde durch die Gänge. Hauptsache nicht aufgeben obwohl man halbtot ist. Tjaaa wer war wohl als erstes am Ziel. Riiiichtig. Ich! Voll easy 😀 Gerade als Melissa, völlig fertig, als letzes am Ziel ankam, wollte es Paul aber wissen und war schneller wieder auf dem Weg zum Eingang als man gucken konnte. Alles nochmal von vorne also aber nicht mir mir. Ich war schneller. Sorry Melissa und Paul. Ihr habt keine Chance 😀 Die Zeit bis zum Abschied wurde immer kürzer und ich wusste immer noch nicht wo ich bleiben würde. Nachdem ich mir eine Wwoofingfarm anschaute, wo ich bleiben könnte, war ich aber irgendwie auch nicht zufrieden. Ich wollte langsam nicht mehr alles tun nur um in Australien zu bleiben. Jobaussichten sahen schlecht aus und langsam kam der Gedanke auf ob es nicht Zeit war nachhause zu gehen. Ich hatte alles gesehen und getan was ich wollte, hatte aber noch eine Menge Zeit vor mir. Da es da einen gab den ich sehr vermisst habe, kam das natürlich auch dazu und war eigentlich auch der größte Grund. Ich hatte aber Angst, dass ich vielleicht unbewusst nur nach Hause fliegen möchte weil ich kein Geld mehr hatte und nicht wusste wo ich bleiben soll. Das schien mir wie aufgeben und damit konnte ich mich nicht abfinden und so schob ich den Gedanken erst einmal ganz weit nach hinten. In einem Caravanpark der uns allen gefiel und in der Stadt liegt, kam es dann dazu, dass ich einfach nach einem Job fragte und Zack eingestellt wurde. Melissa und Paul konnten sich so beruhigt, nach dem wir natürlich den ersten Tag der Surfmeisterschaft gesehen hatten und noch einmal selber gesurft hatten, weiter fahren. Der Abschied war hart, Tränchen gabs und ich vermisse sie immernoch seehr sehr dolle. Weiter musste es trotzdem gehen. Für mich hieß es zurück ins Hostel. Privatsphäre goodbye, dafür aber Leute kennenlernen. Der Job gefiel mir gut, die Stadt mochte ich sowiso, ich lernte coole Leute kennen und war nahe am Strand aber irgendwie war da immer dieses vermissen. Nach langen Telefonaten nach Hause beschloss ich dann, dass es Zeit war für mich nach Hause zu gehen. Als ich nach Australien ging, wollte ich einfach nur weg von allem und das am liebsten solange wie möglich. Raus aus meiner kleinen Welt, um zu sehen was es noch für andere Möglichkeiten gibt zu leben. Ich wollte kein „Standartleben“ und mich einfach für eine Zeit von meinem gesamten Umfeld abkapseln. Auf meiner Reise erlebte ich zum ersten mal in meinem Leben wirklich schreckliche Situationen kennen. Zum ersten mal gab es keinen Ort an den man jederzeit zurückkehren konnte, niemanden der dich wirklich kennt und auch keine Sicherheiten mehr. Es gab auch kein aufgeben, weil es niemanden gibt der er für dich weitermacht. Es bleibt einem nicht anderes übrig als weiterzumachen, egal wie schwer es ist. Es gab keinen der mich gesucht hätte wenn ich abends nicht im Bett liege und jedem Menschen dem man etwas länger begegnet, schenkt man sein ganzes komplettes Vertrauen, wodurch man schnell verarscht werden kann. Auf der anderen Seite erlebte ich riesige Wunder, wurde beschenkt, sah unvorstellbar schöne Orte und lernte viele reisende Menschen kennen, die alle irgendwo genauso verrückt waren wie ich. Keiner hatte Vorurteile, weil er irgendwelche Geschichten über dich kennt und plötzlich merkt man wie groß die Welt ist und, dass es soviel ganz verschiedene Menschen gibt, die alle ihre Geschichte haben. Menschen bei denen ich zuhause wahrscheinlich mit einem Blick tausend Vorurteile gehabt hätte. Ich änderte meine Sichtweise von vielen Dingen und musste lernen ohne Stress, Sorgen und in völliger Freiheit zu leben. Was mir am Anfang Angst machte, wie nicht zu wissen was die nächsten Tage, Wochen oder Monate passieren würde, begann ich plötzlich zu genießen. Es wurde mir egal was andere Leute über mich denken, denen ich doch eigentlich gar nicht wichtig bin. Ich realisierte was und wer mir wichtig ist. Meine Reise bestand nicht nur daraus schöne Dinge zu sehen. Das war ein kleiner Teil. Vielmehr war es eine Schule die mich Dinge wie Vertrauen, Selbstständigkeit oder Offenheit lehrte. Wahrscheinlich kann auch nur jemand all dies verstehen, der so etwas mal gemacht hat. Der Grund warum ich überhaupt hier war, war plötzlich ein anderer und deswegen konnte ich überglücklich durch alle meine guten wie auch schlechten Erfahrungen doch frühzeitig nach Hause kommen. Zuhause ist ein wunderschönes Wort! Meine letzte Woche verbrachte ich noch in Perth, wobei ich noch ein letztes mal ziemlich coole Leute traf und wir Bars abklapperten, shoppen waren und den Anblick vom Kingspark auf die Stadt und den Fluss genossen. Wirklich traurig aber auch froh meine Leute in Deutschland zu sehen, gings dann auf meine letzte Reise nach Hause. Erst als meine Eltern dann am Flughafen standen konnte ich mich wirklich freuen nach Hause zu kommen. Aus 365 Tagen sind letztendlich 259 Tage geworden. Jetzt bin ich schon seit fast einer Woche zuhause und fühle mich immer noch etwas fremd und es wird wohl auch noch dauern bis das Gefühl weggeht, dass ich nur zu Besuch bin. Es ist unglaublich in was für einem Luxus ich plötzlich wieder lebe und was noch unglaublicher ist, ist, dass ich meine Freunde und Familie wieder um mich habe.Alles in allem war Australien an sich, genauso wie auch alleine herzukommen, eine sehr gute Entscheidung,. Hätte ich gewusst was für Situationen mich erwarten würden, wäre ich wahrscheinlich nie los gereist. Im Nachhinein bin ich aber sehr froh, dass ich nicht darüber nachgedacht und es einfach gemacht habe. Fest steht: Ich komme wieder und meine nächsten Reisen stehen bevor. Meine Reise durch Australien ist nun zu ende aber mein Abenteuer geht weiter!

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2 thoughts on “Margaret River, Perth und das Ende meiner Reise

  1. Natalie-Ramona

    Danke Nati, für deine gefühlvollen, ehrlichen Worte!! Echt schön zu lesen wie du deine Reise zusammenfasst!!
    Ich weiß ganz genau, dass dein Abenteuer weitergeht und freue mich riesig für Dich!!
    Ich hab dich lieb

  2. 🙂 ich hab euch auch soo lieb! Freut mich, dass man versteht was ich meine. 😉

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